Besuche im Rahmen der polnisch-deutschen Schulpartnerschaft

Schüler und Schulerinnen des Berufskolleg Kohlstraße und des technischen Berufskolleg Gliwice gemeinsam auf dem „Weg der Erinnerung“. 

 

Zum dritten Mal nahmen Schüler und Schülerinnen des Berufskollegs Kohlstraße aus der Berufsfachschule Staatlich geprüfte Kinderpfleger und der Fachoberschule an der Studienfahrt nach Gliwice teil. Erstmalig besuchten  auch umgekehrt, 17 polnische Schüler und drei Lehrer aus Gliwice vom 24.-28.10.das Berufskolleg Kohlstraße in Wuppertal.

Im Mittelpunkt des neuntägigen Besuchs der deutschen Schüler und Schülerinnen in Polen im September, stand das Projekt „Wege der Erinnerung“ des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes (DPJW). Im Rahmen dieses Projektes besuchten die 22 deutschen und 23 polnischen Schüler die Gedenkstätte und das Vernichtungslager in Ausschwitz-Birkenau und das Museum Galicja in Krakau. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen nahmen die Schüler an einer Führung durch den Konzentrationslagerkomplex teil und erfuhren so mehr zum Holocaust und zur Funktionsweise des größten deutschen Vernichtungslagers der Nationalsozialisten. Das Betreten des Lagers Ausschwitz I durch den Torbogen mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ und dem dahinterstehenden Zynismus führte bei den Schülern zu großer Betroffenheit und Sie erfuhren, wie dieses Internierungslager für polnische politische Gefangene schnell zu einem Schauplatz grausamer Massenmorde wurde. Besonders die Berichte der Überlebenden des Vernichtungslagers und die anschließende Fragerunde im Galicja-Museum waren für die Schüler und Lehrer gleichsam erschütternd wie bewegend und blieben nachhaltig in Erinnerung.

Über den Besuch der Gedenkstätte und des Museums hinaus arbeiteten die Schüler in einem Workshop an dem Thema „Eine Liebe im KZ“. Sie nutzten dabei das pädagogische Angebot der Gedenkstätte vor Ort und konnten sich so intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Die Schüler haben mit den Informationen des Workshops über tatsächliche Liebschaften im Lager und den Erkenntnissen über den Lageralltag, fiktive Liebesbriefe geschrieben, wie sie zur Zeit des Nationalsozialismus im Lager hätten verfasst werden können.

Beim Besuch der polnischen Schüler in Wuppertal standen vor allem Orte der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte im Mittelpunkt. Programmpunkte waren u.a. der Altenberger und der  Kölner Dom, sowie die Ausstellung „Displaced Persons“ in der Zeche Hannover in Bochum, die das Schicksal der heimatvertriebenen polnischen Zwangsarbeiter im Nachkriegsdeutschland darstellt.

Die Schüler hatten während der beiden Besuche die Aufgabe, die zusammen besuchten Orte, die für die gemeinsame deutsch- polnische Geschichte bedeutend waren in gemischten Gruppen in beiden Sprachen in einer Power-Point-Präsentation  vorzustellen. Es entstanden eine Vielzahl an Präsentationen über die unterschiedlichsten Orte in Deutschland und Polen, die hier auf der Homepage veröffentlicht sind:

Altenberger Dom; Jüdischer Friedhof Gliwice; KZ Ausschwitz I Stammlager; Ogrodzieniec;

Diese intensive Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Schülergruppen in den gemeinsamen Projekten führte zu einer Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft. Die Schüler meisterten sprachliche Schwierigkeiten und bekamen Einblicke in die Lebensweisen von Gleichaltrigen in einem fremden und uns doch so nahstehendem Land.
Für dieses Projekt erhielt unsere Schulpartnerschaft den Richeza-Preis der NRW Landesregierung für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung. Die Ehrung fand am 28.10.2016 im Landtag von Nordrhein-Westfalen statt.

Die finanzielle Förderung der Projekte machten die gegenseitigen Besuche der Partnerschulen und die Zusammenarbeit der gemischten Schülergruppen erst möglich.
Das begleitende Lehrerteam Rüdiger Duckheim, Marita Zaika, Holger Poensgen und Reinhardt Podeschwa bedankt sich besonders beim Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW), der Sanddorf-Stiftung und dem Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW (Richeza-Preis).